NARD 2022 Bericht
Der 04.06.2022 ist ein heißer Sommertag in Wien. 12 Uhr, die Mittagshitze lässt die Luft flimmern und für die, die keine Möglichkeit haben, sich in den Schatten zu begeben, heißt es viel trinken und gut eincremen. So, wie für die Aktivistys, die sich heute hier Am Hof, ein zentral gelegener Platz in der Wiener Innenstadt, versammelt haben, um an einem der bedeutendsten Events in der Tierrechtsbewegung teilzunehmen.
Ein kleines Podest wird aufgebaut, T-Shirts, Schilder und weiße Rosen werden verteilt. Es ist ein andächtiges Gewusel, die Gefühle sind gemischt und die Anspannung liegt deutlich in der Luft. Einige der Aktivistys werden eine Trauerrede halten und es ist nicht nur die Sonne, die ihnen den Atem nimmt und ihnen den Schweiß auf die Stirn treibt.
Punkt 12:30 Uhr wird der erste NARD in Wien offiziell eröffnet. Den Teilnehmenden wird dies als historischer Moment in Erinnerung bleiben. Ein Moment, der Teil der Geschichte sein wird, die davon erzählt, was mutige Männer und Frauen unternommen haben, um das Leiden der Tiere zu beenden, sie aus der Versklavung zu befreien und ihre Rechte – körperliche Unversehrtheit, Recht auf Leben und Freiheit von Objektstatus – gesetzlich verankern und schützen zu lassen.
Die Trauerreden erzählen das Leben der Tiere aus ihrer Perspektive. Schildern eindrücklich, was Fridolin das Schwein, Helena das Huhn oder Susi die Maus, die für Tierversuche missbraucht wurde, durchleiden mussten, in ihrem kurzen Leben. Die Vortragenden stehen auf dem Podest. Die anderen Aktivistys stehen in einer Formation davor und zeigen Bilder der Opfer, denen hier und heute gedacht wird. Tränen rinnen über Sonnencreme-beschmierte Wangen. Die Worte dringen so tief ins Herz und hinterlassen Narben aus Schmerz, Trauer und Wut. Auch einige Passanten bleiben stehen, hören zu und ihren Gesichtern ist anzusehen, wie sehr diese Worte sie berühren, wie sie – zumindest in diesem Moment -, mit den Tieren mitfühlen können. Leider wohl nur bis zur nächsten Mahlzeit, dann ist das unnötige Leiden der Tiere für die Meisten wieder vergessen und der kurze Moment des Genusses ist ihnen wichtiger als das Leben dieser Tiere.
Die Formation begibt sich im Anschluss an die Trauerreden auf einen Protestzug durch die Innenstadt. Begleitet durch Polizei und ein Fahrzeug der Aktivistys mit Lautsprecheranlage und Megaphon, begibt sich der Zug über die Freyung, entlang der Schottengasse bis zum Votivpark. Abschlussreden erzählen von der langen Historie von Tierrechtsaktivistys und dem abolitionistischen Ansatz der Tierrechtsbewegung, für den der NARD steht: jegliche Nutzung von empfindungsfähigen Lebewesen durch den Menschen ist abzulehnen. Alle empfindungsfähigen Lebewesen teilen das grundlegende Recht, nicht als Eigentum eines Anderen behandelt zu werden. Die Abschaffung der Inhaberschaft muss entsprechend auch für nicht-menschliche Tiere gelten. Dafür haben alle Teilnehmenden “The Declaration of Animal Rights” unterschrieben. Die Deklaration ist aktuell 300 Meter lang und umfasst mehr als 20.000 Unterschriften. Sobald 50.000 Unterschriften erreicht sind, wird die Schriftrolle an das Weiße Haus, die UNO, das EU-Parlament und andere führende Persönlichkeiten übergeben, um deutlich zu machen, was wir, die Bürger dieser Welt, über unsere Mittiere und ihre Rechte denken.
Am Ende des Tages sind die hier zusammengekommenen Aktivistys stolz, dieses Event endlich auch nach Wien gebracht und damit einen wichtigen Meilenstein in der Tierrechtsbewegung in Österreich gesetzt zu haben. Der erste Durchgang hat gezeigt wieviel Potential dieser Rahmen bietet. Für den NARD 2023 haben sich die Organisatorys Großes vorgenommen und die Planung wurde umgehend gestartet.
2022 wurde der zwölfte NARD in 116 Städten auf der ganzen Welt veranstaltet. Über 10 Millionen Menschen konnten über den NARD weltweit bereits erreicht und über tierversuchsfreie, pflanzliche Alternativen aufgeklärt werden. Über 10.000 Aktivistys haben an NARD-Events teilgenommen und die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr.
2023 wird auch der NARD in Österreich ein Mega-Event werden und einen Beitrag dazu leisten, die Öffentlichkeit über das Leiden der Tiere aufzuklären und Konsumentys die Verantwortung über ihr Handeln bewusst zu machen. Tiere fühlen genau wie wir,