
Vegan leben… was heißt das eigentlich?
Veganismus wird von vielen Menschen heutzutage fälschlicherweise als reine Ernährungsform verstanden. Es herrscht die Annahme, vegan sein bedeutet, Fleisch, Fisch, Eier, Honig und Milchprodukte abzulehnen. Personen, die diese Produkte einfach des Geschmacks oder der Gesundheit wegen nicht konsumieren, werden deswegen auch als Veganer:innen bezeichnet. In Wirklichkeit umfasst ein veganes Leben allerdings viel mehr.
”Vegan” ist keine Ernährungsform, es ist eine ethische Einstellung, die die Gefühle und Bedürfnisse von Tieren berücksichtigt und ihnen ein grundlegendes Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit zuspricht. Vegan zu sein bedeutet dementsprechend nicht nur auf tierische Lebensmittel zu verzichten, sondern alle Produkte und Dienstleistungen zu boykottieren, für die Tiere gefangen gehalten oder getötet werden. Jemand, der keine tierischen Produkte isst, aber beispielsweise in Zoos geht oder Kosmetik benutzt, die an Tieren getestet wurde, ist nicht vegan.
Unsere heutige Welt fußt tragischerweise auf Tierversklavung. Nicht nur für tierische Lebensmittel, sondern auch für die Herstellung und Bereitstellung unzähliger anderer Produkte und Dienstleistungen werden Milliarden Tiere gefangen gehalten. Es besteht keine rechtliche Verpflichtung auf Produkten anzugeben, dass im Produktionsprozess Tiere oder tierische Bestandteile verwendet wurden. In Folge ist den meisten Menschen gar nicht bewusst, wie viel Tierversklavung sie durch alltägliche Aktivitäten und Besorgungen finanziell fördern.
Auch für Personen, die sich für ein veganes Leben entschieden haben, ist es anfangs nicht einfach, einen Überblick über all die Dinge zu behalten, die nicht vegan sind.
Aus diesem Grund möchten wir hier einen Überblick über alle Produkte und Dienstleistungen geben, die Veganer:innen aus ethischer Überzeugung nicht unterstützen und gehen auch auf die jeweiligen Gründe dafür ein. Zum Thema “Vegan geworden… Was nun? haben wir auch einen Blogbeitrag!
Folgende Produkte und Dienstleistungen unterstützen Veganer:innen NICHT!
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In Europa sind es insbesondere Schweine, Kühe und Hühner die auf engstem Raum gehalten und gemästet werden, ehe sie geschlachtet und zu Fleisch verarbeitet werden. Sie werden als reine Produktionsgüter zur Profitmaximierung angesehen und haben keine Rechte, die sie vor Gewalt, Schmerzen, Angst und Leid bewahren. Nach geltendem EU-Recht wird Schweinen beispielsweise nicht einmal die Möglichkeit, sich um die eigenen Achse drehen zu können, zugesprochen. Ein Huhn darf nach geltendem EU-Recht gemeinsam mit über 30 weiteren Artgenossen auf einen einzigen Quadratmeter Fläche gepfercht werden. Die Fleischindustrie verfügt über eine der einflussreichsten Lobbys, die maßgeblich Einfluss auf die Entscheidungen der Politik nehmen und jährlich über 80 Milliarden Säugetieren das Leben rauben. Das Leid der Tiere lässt sie kalt und jeder Cent, den Konsument*innen für Fleisch ausgeben, stärkt die Lobby immer weiter.
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Fischen und anderen sogenannten „Meeresfrüchten“ (ein irreführender Begriff, da er keine Pflanzen, sondern im Meer lebende Kleintiere bezeichnet) wird sowohl durch die Wildfischerei als auch durch die Zucht unsägliches Leid zugefügt. Bei der Wildfischerei werden hunderte von Meeresbewohner mit riesigen Netzen aus ihrem natürlichen Habitat gezogen und einem qualvollen Erstickungstod ausgesetzt. Dabei kommen neben den Tieren, auf die man es eigentlich abgesehen hat, jede Sekunde hunderttausende weitere Tiere ums Leben und der natürliche Kreislauf der Natur wird massiv destabilisiert.
Zuchtanlagen für Fische (sogenannte Aquakulturen), die oft als umweltfreundliche Alternative zur Wildfischerei dargestellt werden, bergen ihre eigenen gravierenden Probleme. Die Fische sind durch die Enge in den Tanks viel Stress ausgesetzt, was wiederum zu Krankheiten und einem hohen Einsatz von Antibiotika und Chemikalien führt. Zudem erfordert die Produktion von Fischfutter in vielen Fällen den Fang von Wildfischen, was die Problematik der Überfischung noch weiter verschärft.
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Für die Produktion von Milch und Milchprodukten ist es Standard, dass Bullen und Milchkühe jährlich sexuell missbraucht werden, um die Weibchen permanent schwanger zu halten. Eine Kuh gibt (wie eine menschliche Frau) nur dann Milch, wenn sie ein Baby zur Welt gebracht hat. Durch die jährliche künstliche Befruchtung wird sichergestellt, dass die Milchproduktion stetig am Laufen bleibt. In permanenter Schwangerschaft zu leben, ist für Kühe körperlich sowie mental sehr belastend, insbesondere da die Kälber den Müttern in der Regel direkt nach der Geburt weggenommen werden, damit diese nicht die Milch trinken, die für die Konsument*innen gedacht ist. Die männlichen Kälber werden meist nur einige Monate alt, ehe sie geschlachtet werden. Einem weiblichen Kalb blüht ein ähnliches Schicksal, wie das ihrer Mutter: Ein Leben als Hochleistungsmilchkuh, die nach einigen Jahren geschlachtet wird, sobald der Körper den Anforderungen der Milchindustrie nicht mehr standhalten kann.
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Hennen würden normalerweise nur ca. 20 Eier pro Jahr legen. Die Industrie hat Hennen allerdings dahingehend überzüchtet, dass sie heutzutage im Durchschnitt 300 Eier pro Jahr produzieren. Da die Körper der Hühner eigentlich nicht für diese riesigen Mengen von Eiern gemacht sind, geht der Prozess bei den Hühnern mit viel psychischem und körperlichem Stress einher, dem die Körper nicht lange standhalten. Bereits nach 1,5 Jahren sind die Hennen für die Industrie nicht mehr zu gebrauchen und werden zum Schlachthof geführt.
Den Brüdern dieser Hennen entledigt man sich noch viel früher. Männliche Küken werden von der Eiindustrie als nutzlos angesehen, weswegen sie in der Regel direkt nach der Geburt geschreddert, vergast oder zertrampelt werden. Die blutigen Überreste werden anschließend in anderen Industrien als Futtermittel eingesetzt.
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Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass der Konsum von Honig dem Artensterben der Bienen entgegenwirken würde. In der Realität ist aber genau das Gegenteil der Fall. Nur sehr wenige Bienenarten produzieren nämlich den Honig, der von Menschen gegessen wird. Durch die Züchtung dieser Arten werden sämtliche Wildbienen aus ihrem natürlichen Habitat verdrängt und an der Pflanzenbestäubung gehindert. Die damit einhergehende Destabilisierung der Ökosystems verstärkt das Artensterben noch weiter.
Aber auch den herangezüchteten Honigbienen wird viel Leid angetan. Der Bienenkönigin werden beispielsweise in der Regel die Flügel ausgerissen, um sie an einen Ort zu binden und die Bienenkolonie am weiterziehen zu hindern. Um den fertigen Honig zu entnehmen, wird dieser durch Zuckerwasser ersetzt, welches allerdings nicht die lebenswichtigen Nährstoffe für Bienen enthält und sogar tödlich für die Arbeiterbienen sein kann. Da die Honigproduktion nur in den warmen Monaten stattfindet, werden in vielen Fällen die Bienen mit Anbruch des Winters vergast und im Frühling neu gezüchtet.
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Für viele Kosmetik- und Pflegeprodukte werden vorab Tierversuche durchgeführt. Diese umfassen beispielsweise Haut- oder Augenreiztests, bei denen die Tiere schädlichen Substanzen ausgesetzt werden. Die Folgen für die Tiere sind psychische Traumata, irreversible Verletzungen und Krankheiten.
Diese Tests sind aus ethischer Perspektive höchst verwerflich. Absurderweise sind sie darüber hinaus aber auch aus wissenschaftlicher Sicht längst überholt. Die Verwendung von Tieren wie Mäusen, Ratten, Affen, Kaninchen, Katzen und Hunden in solchen Tests basiert auf der Annahme einer biologischen Ähnlichkeit zum Menschen, die in der Realität jedoch nicht ausreichend vorhanden ist. Methoden wie In-vitro-Tests, Computersimulationen und der Einsatz von künstlicher Haut können die menschliche Reaktion auf Inhaltsstoffe inzwischen deutlich akkurater als Tierversuche vorhersagen.
Nichts desto trotz führen viele Unternehmen weiterhin grausame Tierversuche durch. Das „cruelty-free“-Label auf Verpackungen gibt darüber Auskunft, dass für die Verträglichkeitstests keine Tiere missbraucht wurden.
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Der Lärm und die Lichtblitze, die jährlich an Silvester durch Feuerwerke und Böller erzeugt werden, stellen für viele Tiere, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten, eine enorme Stressquelle dar. Wildtiere, Haustiere und städtische Tierpopulationen wie Vögel und kleinere Säugetiere werden durch das plötzliche Knallen in Panik versetzt. Dieser Stress kann zu Fluchtverhalten führen, das oft in Verletzungen oder Tod mündet, wenn Tiere versuchen, dem Lärm zu entkommen und dabei in den Straßenverkehr geraten oder sich in Zäunen und anderen Hindernissen verfangen.
Darüber hinaus hat der Feinstaub, der durch Feuerwerkskörper freigesetzt wird, nicht nur negative Auswirkungen auf die Luftqualität, sondern beeinträchtigt auch direkt die Lebensräume vieler Tiere. Die Überreste von Feuerwerkskörpern verschmutzen Wasserwege und Grünflächen, was wiederum zu Problemen für die dort ansässige Tierwelt führt. Die traditionellen Silvesterfeiern stellen für die Tierwelt einen Horror dar, weswegen Veganer:innen auf anderen Wegen das Jahr ausklingen lassen.
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Da es den meisten Hunden und Katzen gut geht, sobald sie einmal von einer liebenden Familie aufgenommen wurden, wird die Vergangenheit dieser Lebewesen oftmals ignoriert. Die meisten Haustiere kommen von Züchter:innen, die profitorientiert handeln und keinen Wert auf Tierwohl legen. Hunde und Katzen werden in der Regel direkt nach der Geburt von ihren Eltern getrennt und anschließend bis zum Verkauf auf sehr kleinem Raum gehalten. Hinzu kommt, dass sowohl Hunde und Katzen als auch andere Haustiere sehr selektiv gezüchtet werden, um bestimmte Merkmale zu verstärken. Dabei entstehen dann Hunderassen wie der Mops oder die französische Bulldogge, bei der die Schnauze über die Züchtung so sehr verkürzt wurde, dass fast alle Hunde dieser Rasse unter schmerzvoller Kurzatmigkeit leiden.
Wenn man einem Tier ein Zuhause geben möchte, gilt immer: Adopt, don`t shop.
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Zoos, auch wenn sie Bildungsziele verfolgen, halten sie Tiere in Gefangenschaft und entfernen sie aus ihren natürlichen Lebensräumen. Dies kann zu physiologischen und psychologischen Beeinträchtigungen bei den Tieren führen, da ihre natürlichen Verhaltensweisen durch die begrenzten Lebensbedingungen eingeschränkt sind. Viele Tiere in Zoos zeigen Anzeichen von Stress und Langeweile, wie das Umherwandern auf kleinen Flächen oder wiederholende Bewegungen, die in freier Wildbahn nicht beobachtet werden. Auch das Argument, dass Zoos der Arterhaltung dienen würde, ist bei genauerer Betrachtung ziemlich schwach, da in Zoos fast nur Tiere zu finden sind, die nicht vom Aussterben bedroht sind. Und selbst die vom Aussterben bedrohten Tierarten in Zoos können nicht wieder ausgewildert werden, da die Entwicklung ihrer natürlichen Instinkte durch das Leben im Zoo gehemmt wird.
Eine gute vegane Alternative zu Zoos sind Lebenshöfe, auf denen ausschließlich gerettete Tiere leben.
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In Tierzirkussen werden exotische Tiere wie Elefanten, Bären, Kamele und Tiger, aber auch Tiere wie Pferde oder Esel für die Unterhaltung der Menschen ausgebeutet. In der Regel werden sie bereits als Baby gekauft und unter Androhung von Gewalt zu unnatürlichen Verhaltensweisen gezwungen. Bei Ungehorsam werden die Tiere unter anderem mit Peitschenschlägen oder Verbrennungen bestraft. Außerhalb der Trainings und Aufführungen müssen sie in engen Käfigen ausharren. Selbsterklärend bedeutet das ein Leben in ständigem Stress. Für Veganer:innen kommt dementsprechend nur ein Besuch in einem Zirkus, der auf den Einsatz von Tieren verzichtet, in Frage.
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Für die Produktion von Pelz werden Kaninchen, Füchse und Wiesel gezüchtet oder aus der freien Wildbahn entrissen. In menschlicher Gefangenschaft fristen sie ein Leben unter grausamen Bedingungen in engen Käfigen ehe sie hingerichtet werden. Um den Pelz beim Tötungsprozess nicht zu beschädigen, wird auf besonders qualvolle Methoden zurückgegriffen, wie Erstickung, Vergiftung, Elektroschocks oder Genickbruch.
Die Gewinnung von Leder wiederum findet teilweise sogar bei lebendigem Leibe statt. Schlangen beispielsweise werden in der Regel einfach aufgehängt, aufgeschnitten und enthäutet, ohne davor den Gnadenschuss erhalten zu haben. Sie bekommen also ihren Enthäutungsprozess noch bewusst mit. Neben Schlangen werden auch Alligatoren, Krokodile und Rinder Opfer der Lederindustrie.
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Hauptsächlich Schafe, Lämmer und Alpakas werden für die Gewinnung von Wolle ausgebeutet. Dabei bleiben die Tiere zwar erstmal am Leben, müssen dennoch unvorstellbare Schmerzen erleiden. Durch die aus dem Überzüchtungsprozess entstandenen dicken Schichten sowie dem Zeitdruck und der schlechten Ausbildung vieler Arbeiter*innen werden die Tiere beim Prozess des Schärens in der Regel immer verletzt. Blutig und mit unversorgten Wunden werden sie schließlich zurückgelassen, oder zur Schlachtung an die Fleischindustrie verkauft.
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Um dieses Luxusmaterial herstellen zu können, werden in den meisten Fällen tausende Kokons von Maulbeerschmetterlingen in kochendem Wasser verbrüht. Für nur einen einzigen Meter Seide müssen bereits tausende verpuppte Raupen sterben. Jährlich ist die Seidenindustrie für 1,6 Billionen getötete Raupen verantwortlich.
Medikamente: Ein veganes Dilemma
Damit Medikamente eine entsprechende Zulassung bekommen, ist es gesetzlich verpflichtend, sie zu aller erst an Tieren zu testen. Diese Tierversuche sind selbstverständlich grausam und haben schwerwiegende körperliche und psychische Folgen für die Versuchssubjekte.
Nichts desto trotz sind auch Veganer:innen für ihre eigene Gesundheit oder ihr eigenes Überleben manchmal auf Medikamente angewiesen.
Das führt gewissermaßen zu einem Dilemma, das wir in einem Beitrag diskutieren.