Medikamente: Eine vegane Perspektive

Im Alltagsverständnis wird Veganismus als eine Lebensweise betrachtet, in der man unter keinen Umständen tierische Produkte, oder Produkte, für die Tiere ausgebeutet, versklavt oder getötet werden, konsumiert und bzw. finanziell unterstützt. Tatsache ist allerdings, dass Veganismus lediglich den Konsum solcher Produkte ablehnt, wenn das damit einhergehende Leid der Tiere den potenziellen Mehrwert für die Menschen klar übersteigt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Menschen sich aufgrund von kurzfristigen positiven Emotionen für den Konsum von tierischen Produkten entscheiden. Geschmack, Bequemlichkeit, Gewohnheit oder die Ausübung kultureller Bräuche stehen in keinem Verhältnis zu der Qual, die Tiere im Schlachthaus erleben. Aus Sicht von Veganern ist der Konsum tierischer Produkte aufgrund von den 4 genannten Gründen also moralisch nicht zu legitimieren.

Anders schaut es allerdings aus, wenn eine tatsächliche Notwendigkeit für den Konsum tierischer Produkte besteht. Strandet man beispielsweise ohne Ausrüstung und Verpflegung mitten im Dschungel ist es selbstverständlich auch aus veganer Sicht legitim, Tiere zu töten, um sein eigenes Überleben zu sichern. Als Bürger einer westlichen Gesellschaft stößt man allerdings sehr selten auf Situationen, wo diese Notwendigkeit besteht und wenn Leute argumentieren, sie bräuchten tierische Produkte, handelt es sich meistens um billige Ausreden, um vor sich selber das ethisch inkorrekte Verhalten zu rechtfertigen.

Der tatsächlichen Notwendigkeit begegnet man am ehesten, wenn man an einer Krankheit leidet. Dabei geht es allerdings nicht darum, dass es viele Krankheiten gibt, deren Heilung die Aufnahme tierischer Produkte in die Ernährung voraussetzt, sondern um die Einnahme von Medikamenten. Alle in Apotheken erhältliche Medikamente werden vor ihrer Zulassung Tierversuchen unterzogen. Für diese Tierversuche werden Mäuse, Ratten, Kaninchen, Affen, Katzen, Hunden, Fischen und Vögel schädlichen Substanzen ausgesetzt, um besser die Wirkung der Substanzen auf den Menschen einschätzen zu können. Dabei erleiden die Tiere zu meist psychische Traumata, irreversible Verletzungen und Krankheiten.

Diese Tests sind nicht nur aus ethischer Perspektive höchst verwerflich, sondern auch as wissenschaftlicher Sicht längst überholt. Die Verwendung dieser Tiere basiert auf der Annahme einer biologischen Ähnlichkeit zum Menschen, die in der Realität jedoch nicht ausreichend vorhanden ist. Methoden wie In-vitro-Tests, Computersimulationen und der Einsatz von künstlicher Haut können die menschliche Reaktion auf Inhaltsstoffe inzwischen deutlich akkurater als Tierversuche vorhersagen.

Nichts desto trotz werden diese Tierversuche in der Realität gemacht und Veganern wird keine Option gegeben, auf tierversuchsfreie Medikamente zurückzugreifen. Veganer stehen hier also vor einem ethischen Dilemma, das einer Abwägung bedarf.

An dieser Stelle sollte an den Pragmatismus appelliert werden: Trotz der ethischen Bedenken ist es wesentlich, dass Veganer ihre Gesundheit nicht vernachlässigen. Gesunde und vor allem lebendige Veganer sind essentiell, um weiterhin effektiv für Tierrechte und eine gerechte Gesellschaft kämpfen zu können. Das eigene Überleben sollte man aus einem Akt der Selbstliebe hinaus trotz alle dem über das Überleben anderer stellen. Die Verwendung von Medikamenten sollte daher als notwendiges Übel betrachtet werden, insbesondere wenn es um lebensrettende oder lebenserhaltende Behandlungen geht.

Natürlich sollten sich Veganer trotz alle dem für die Entwicklung und Zulassung von alternativen Testmethoden stark machen und diesen Aspekt der Tierversklavung in ihrem Aktivismus nicht vernachlässigen. Insbesondere Situationen, in denen es auch für Veganer leider noch nicht möglich, Tierversklavung zu boykottieren, ohne ihre eigene Gesundheit oder ihr eigenes Leben zu riskieren, bedürfen schnellstmöglichen radikalen Reformen.

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Wen streicheln, wen essen?